Über die Kunstvermittlung

Die Ausstellung 30 Künstler / 30 Räume zeigt eine Vielzahl von Arbeiten verschiedener Künstlerinnen und Künstler, die Partizipation, Mitwirkung und Teilhabe der Besucher, einfordern. Damit einher geht die Auffassung, das Museum als einen sozialen Raum zu begreifen, als einen Ort, an dem kulturelle Interessen, Bedürfnisse, Ansprüche zusammentreffen und verhandelt werden. Eine Auffassung, die auch dem Selbstverständnis der Kunstvermittlung des Neuen Museums entspricht. Zudem begreifen wir das Museum als einen Ort künstlerischer Fragestellungen, an dem keine Eins-zu-eins-Übersetzungen stattfinden können und sollen. Vielmehr wird das Museum als Verhandlungsraum unterschiedlicher Wahrnehmungen, Haltungen und Artikulationen genützt und als ein Ort, an dem neben Bildung und Diskurs selbstverständlich auch Unterhaltung, Kommunikation und ästhetischer Genuss stattfinden. Entsprechend versuchen wir mit den verschiedenen museumspädagogischen Angeboten – für Kinder, Jugendliche und Erwachsene – anregende und konzentrierte Bildungsvoraussetzungen und
-situationen zu schaffen, die es den jeweiligen Besuchergruppen ermöglichen, in eine Auseinandersetzung mit einzelnen Kunstwerken zu treten: Vorhandene Erfahrungen, Vorstellungen und Haltungen gegenüber Kunstwerken sollen zur Sprache gebracht und mit neu gewonnenen Eindrücken konfrontiert werden. Statt eines lernzielorientierten Vorgehens geht es um prozess- und kommunikationsorientierte Herangehensweisen. Dies geschieht in einer experimentell und dialogisch angelegten Praxis, die Reflexion und Argumentation der Besucher ermöglichen soll.

Die Workshops mit Künstlerinnen und Künstlern stehen im Neuen Museum im Mittelpunkt der Angebote zur Ausstellung 30 Künstler / 30 Räume. Den Teilnehmern wird die Möglichkeit gegeben, über authentische Begegnungen mit Kunstschaffenden Diversität und eine Vielfalt kultureller Ausdrucksformen zu erleben, neue Sicht- und Handlungsweisen kennenzulernen und verschiedene ästhetische Praxen zu erproben.
Neben Führungen, Kunstgesprächen und den Workshops für die verschiedenen Besuchergruppen bieten wir im Rahmen dieser Ausstellung erstmals auch „Kombiführungen“ an. Die Kooperation mit dem KPZ und die Mitarbeit von Vertretern des Kunstvereins Nürnbergs sowie des Instituts für moderne Kunst machen diese vierstündigen Führungen durch die teilnehmenden Institutionen möglich. Im Rahmen der großzügigen Unterstützung der „IHK-Kulturstiftung der mittelfränkischen Wirtschaft“ wurde gemeinsam mit dem KPZ ein zusätzliches Angebot speziell für Berufsschulen entwickelt. Die „Projekttage für Berufsschulklassen“ werden sowohl im Neuen Museum als auch in der Kunsthalle Nürnberg angeboten.
Aufgrund der Förderung konnten wir darüber hinaus einigen Auszubildenden und Studierenden verschiedener Fachrichtungen die Möglichkeit bieten, beim Aufbau und bei der Gestaltung des Kunstvermittlungsblogs aktiv mitzuwirken. Nicht nur an dieser Stelle hat die organisatorische und inhaltliche Einbindung junger, am Museumsbetrieb interessierter Menschen gezeigt, dass partizipative Kunstvermittlungsprojekte für alle Beteiligten ein bereicherndes Experimentier-
feld darstellen.

Ein Großteil der museumspädagogischen Veranstaltungen kann aufgrund einer großzügigen Spende der „IHK-Kulturstiftung der mittelfränkischen Wirtschaft“ angeboten werden, wofür ich mich im Namen aller Beteiligten auch an dieser Stelle sehr herzlich bedanken möchte.

Claudia Marquardt, Leiterin der Museumspädagogik im Neuen Museum in Nürnberg



Für das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) stellt Kunstvermittlung ein wichtiges Aufgabenfeld der museumspädago-
gischen Arbeit dar. Das KPZ spricht mit seinen kunstpädagogischen Programmen verschiedene Ziel- und Altersgruppen an und entwickelt speziell auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgerichtete Programme. Unter anderem im Germanischen Nationalmuseum, in den Museen der Stadt Nürnberg und im KunstKulturQuartier Nürnberg begleiten wir bei unseren personalen Führungsangeboten Besucher zu Kunstwerken unterschiedlicher Epochen und vermitteln in einer multiperspektivischen Betrachtung historische Bezüge, inhaltliche Bedeutungsebenen, Funktionszusammenhänge und ästhetisch-künstlerische Aspekte. Speziell in den Einrichtungen des KunstKulturquartiers Nürnberg ist das KPZ mit der Vermittlung zeitgenössischer Kunst befasst. Mit objektbezogenen, besucherorientierten methodischen Ansätzen möchten wir das Verständnis für die ästhetischen und inhaltlichen Aspekte zeitgenössischer künstlerischer Positionen fördern, wobei wir eine möglichst eigenständige Annäherung der Besucher an die Kunstwerke unterstützen. Gerade die Vermittlung zeitgenössischer Kunst geschieht am besten im Gespräch zwischen Museumspädagogen und Besuchern, sodass Fragen, individuelle Ansichten und Meinungen des Publikums in den Diskurs mit einfließen können. In begleitenden Workshops beziehen wir das gestalterische Potenzial der Teilnehmer mit ein, wobei die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Gesehenen in produktiven künstlerischen Workshops kreativ umgesetzt werde kann.
Bei Führungen in der Kunsthalle, Kombiführungen durch alle teilnehmenden Institutionen, einem Ferienprogramm in der Kunsthalle Nürnberg und den Projekttagen für Berufsschulen möchten wir mit den Besuchern der Ausstellung 30 Künstler / 30 Räume Kunst-Räume erkunden und dabei gedankliche Räume eröffnen.

Dr. Jessica Mack-Andrick, stellvertretende Leiterin des KPZ